Lob Tennis

Tennis Lob

Die Spielsituation ist bekannt: Der Gegner spielt einen Angriffsball und bewegt sich vor an’s Netz. Du kommst kaum noch an den Ball und bist froh, den Ball irgendwie im Spiel zu halten. In dieser Situation ist der Lob ein probates Mittel, um den Ball über den Gegner in das Feld zurückzuspielen.

Je nach Spin und Schlagtyp kann so aus einer defensiven Situation sogar ein Winner geschlagen werden. Nicht zu unterschätzen sind die technischen Anforderungen, das Timing und gehobene Ballgefühlt für diesen Schlag. Grund genug, dass wir uns mit dem Lob hier im Detail auseinandersetzen.

Strategie und Taktik – wann macht ein Lob Sinn?

Der Lob ist grundsätzlich ein defensiver Schlag der gespielt wird, wenn der Gegner, weit aufgerückt, am Netz steht und Du selbst nicht mehr genug Zeit und in der Situation ggf. auch Selbstbewusstsein hast, einen Passierschlag longline oder kurz cross zu schlagen.

Grundvoraussetzungen, um einen Lobball zu spielen, sind folglich:

  • Der Gegner befindet sich im T-Feld, idealerweise nur 2-3 Meter vom Netz entfernt
  • Du hast den Lob ausreichend trainiert und beherrscht diesen, nicht einfachen, Schlag
  • Du bist in Bedrängnis, unter Umständen etwas in Disbalance, und hast entsprechend keine hohe Erfolgsausaussicht, einen präzisen und zugleich schnellen Topspin-Schlag am Gegner vorbei zu spielen
  • Dein Gegner hat Probleme mit dem Smash und/oder der Rückwärtsbewegung, du attackierst also bewusst seine Schwäche und provozierst damit Fehler des Gegenspielers

Lob vs. Passierschlag

Grundsätzlich hängt diese Entscheidung stark von deinen individuellen Fähigkeiten und jenen deines Gegners ab. Auch spielen die aktuelle Spielsituation sowie vorherige, ähnlich gelagerte Situationen eine zentrale Rolle.

Du solltest dir auch stets das Chance-Risiko-Verhältnis bewusst machen.

Bei einem Passierschlag seitlich am Gegner vorbei gewinnst du den Punkt, sofern der Schlag glückt. Bei einem Lob hingegen geht in den meisten Fällen das Spiel weiter, es sei denn, der Lob ist tatsächlich perfekt getimet und hat zudem optimalerweise noch eine Menge Topspin, sodass der Ball durch den zur Grundlinie eilenden Spieler nicht mehr erreicht werden kann. Statistisch betrachtet werden aber über 80% aller Lobs zurückgespielt.

Auf der anderen Seite sind Passierbälle schwierig, denn sie müssen sehr präzise und druckvoll geschlagen werden, um zu verhindern, dass der Gegner an den Ball kommt. Gleicht setzt der am Netz stehende Gegner einen zusätzlich unter Druck. Wer den Passierschlag nicht gezielt im Ballwechseln mit Trainingspartnern übt, kann in Matchsituation diese Schlagartig häufig nicht korrekt durchführen, was die Fehlerquote erhöht.

Für mich persönlich halte ich mich dennoch an diese Regel, wenn der Spieler am Netz steht:

Hab ich Zeit mich gut zum Ball zu stellen, so spiele ich fast immer den Passierschlag. Stehe ich hingegen ungünstig zum Ball, so spiele ich einen cross angelegten Lob.

Einzel vs. Doppel

Selbstredend wird der Lob im Doppel deutlich häufiger gespielt, da dort im Regelfall eine Platzhälfte permanent durch einen am Netz stehenden Spieler abgedeckt wird.

Doch auch und gerade im Einzel ist das Wechselspiel aus Stopball und Lob ein taktisches Mittel, um den Gegenspieler konstant in Bewegung zu halten und aus der Balance zu bringen.

Topspin Lob

Der Topspin Lob ist ein technisch überaus komplexer Schlag, der neben einem hohen Maß an Ballgefühl und Antizipationsfähigkeit auch regelmäßiger Übung im Training bedarf.

Ein guter Topspin Lob ist ein Winner, denn aufgrund des schnell und hoch abspringenden Balls ist dieser für den überlobbten Spieler nicht mehr zu erreichen. Einen Drehschlag oder Tweener kann es nach einem erfolgreichem Topspin Lob nicht geben.

Die Risiken eines Topspin Lobs liegen in einer zu geringen Höhe des Lobs, sodass dieser über einen Schmetterschlag (Smash) aus der Luft ‚gepflückt‘ wird. Oder aber, dass der auf den Ball übertragene Topspin zu gering ausfüllt, den Ball nicht schnell genug vor die Grundlinie des gegnerischen Spielfeld herunterfallen lässt.

Es gibt verschieden Möglichkeiten und Varianten diesen Lob Angriffsschlag zu üben. Viele Übungsformen starten mit einer normalen Vorhand oder Rückhand Topspin, also einem Grundlinienschlag. Wobei dann die anvisierte Höhe über dem Netz ca. 2-3 Meter über das normale Maß erhöht wird. Durch ein höheres Maß an Spin, ein etwas geringes Schlagtempo und eine geringe Ballgeschwindigkeit bekommt der Ball einer stärk gebogene Flugkurve.

Der Griff sollte bei Vorhand wie Rückhand dem Griff des normalen Topspin-Schlags gleichen.

Beim Vorhandschlag eignen sich viel Spieler zudem den Ausschwung über die Schulter des Schlagarms (Typ ‚Rafael Nadal‘) an.

Wichtig ist im Rahmen der Ausführung eine maximale ’nach oben‘ Beschleunigung des Schlägerkopfes. Dadurch überträgt der Schläger den Vorwärtsdrall auf den Tennisball, was einen sog. Moon Lob zur Folge hat.

Slice Lob

Beim Slice Lob überträgt der Schläger einen Rückwärtsdrall auf den Tennisball. Der Slice Lob ist ein defensiver Lob, der häufig in Nähe der Grundlinie in der Defensive gespielt wird. Anders als beim Topspin Lob, ist der Slice Lob auch nach dem Überspielen des Gegenspielers für diesen noch erreichbar. Winner sind entsprechen bei der slice Variante des Lobballs selten.

Das Tempo des Balls ist noch geringer als es beim Topspin-Lob der Fall ist, das Tennisspiel wird in Summe verlangsamt und du erhältst mehr Zeit dich für den Folgeschlag des Gegners zu positionieren.

Gerade in einem Ballwechsel in dem du hinter die Grundlinie gedrückt wirst und der Gegner einen Netzangriff startet, kann der Slice eine Chance darstellen, ohne viel Risiko wieder in eine gute Spielsituation zu gelangen. Jedoch ist auch der Slice Lob kein einfacher Schlag im Tennis, der je nach Tennisspieler und Technik mehr oder weniger intensiv geübt werden muss.

Categories: Lob